Ein ganz normaler Tag

Ein anstrengender Tag geht zu Ende. Zwar habe ich endlich mal wieder gut geschlafen, aber das Defizit der letzten Nächte steckt mir noch in den Knochen. Nach dem Frühstück fahre ich ins CHU. Die Frauen arbeiten wieder auf dem dortigen Feld, befreien die Auberginenpflänzchen von wucherndem Unkraut. Ich plane einen weiteren Anlauf zum Thema Mandalas. Der erste Versuch war ein Erfolg. Eine junge manische Patientin saß eine volle Stunde dabei, sprach fast kein Wort und schaffte es mit eisernem Willen, ihr Bild fertig zu malen. Danach war sie sichtlich erschöpft, aber zufrieden.
Doch ich komme nicht weit mit meinen Plänen. Eine Frau möchte mich sprechen. Es gehe ihr nicht gut, sie höre Stimmen und das mache ihr Angst. Ich verweise sie an Albert, den für diese Dinge zuständigen Mann, doch ich muss erfahren, dass er gestern nicht da war und heute auch nicht kommen wird. Wie ich von anderer Stelle höre, wurde ihm kein Gehalt bezahlt. Also Pläne ändern und auf nach Nimbo, zu Monsieur Siluė, dem Direktor. Von ihm erfahre ich in einem ausführlichen Gespräch, dass die Geschäfte schlecht laufen und auch andere Angestellte noch keinen Lohn bekommen haben. Hier fließen die Einnahmen des Vormonats direkt in die Gehälter des nächsten Monats, ein Sparkonto mit Rücklagen oder einen Kredit gibt es nicht. Wenn es so weit kommt, dass einem Mitarbeiter wie Albert kein Gehalt gezahlt werden kann, dann ist das doppelt tragisch, denn mit den ambulanten Patienten, die er nicht behandelt, bleiben auch wiederum die notwendigen Einnahmen weg. Ja es ist wirklich allerhöchste Zeit, einen weiteren Mitarbeiter zu beschäftigen, der aus unabhängiger Quelle bezahlt wird. Damit wäre die Behandlung auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gesichert und gleichzeitig die Einnahmen durch die ambulanten Patienten.

Fortsetzung folgt,mein Taxi ist da.

Es ließ sich alles besprechen und Albert hat am nächsten Tag seine Arbeit wieder aufgenommen. Danke, Albert!

Auch die Verhandlungen zur Einstellung des anderen Krankenpflegers kommen voran. Es tut sich was und es lohnt sich, Zeit zu haben und immer wieder einfach da zu sein. Denn erst dann erfährt man auch die unangenehmen Dinge.

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