Es geht voran

Ein ganz normaler Tag, wie sieht der aus? Nun, innerhalb von 3 Wochen läßt sich so etwas wie Routine nicht installieren. Aber es gibt doch gewisse Ablaufe, die sich wiederholen. Morgens fahre ich zu den Frauen, die Uhrzeit hängt ein wenig davon ab, ob ich eine Mitfahrgelegenheit habe oder das Taxi bestelle und wie gut oder schlecht ich geschlafen habe.
Heute fahre ich jedoch noch bei der Bank vorbei, Geld tauschen. Amed, mein treuer Taxifahrer, bringt vorher in Erfahrung, dass ich eine Fotokopie meines Passes mitbringen muss, da das Kopiergerät in der Bank kaputt ist. Als ich dann schließlich an der Reihe bin, teilt mir die Angestellte mit, dass sie den einen Euroschein nicht annehmen kann, da er einen Riss von ca. 1cm aufweist. Der Direktor, der gerade vorbeikommt, bestätigt das. Zum Glück ist es nicht mein letztes Geld…
Im CHU mache ich die Runde unter den Patientinnen und Mitarbeitern, dann schließen sich allgemeine oder spezielle Fragestellungen an. Heute gehe ich anschließend in die Universitätsklinik. Wir haben Kontakt aufgenommen mit der dortigen Verwaltung mit der Fragestellung, ob es möglich wäre, über die dortige Apotheke Verbandsmaterial günstiger zu beziehen als bisher. Es sieht so aus. Es scheint ein Programm zu geben, dass bei entsprechender sozialer Indikation einzelne Posten sogar umsonst zur Verfügung stellt. Wenn die Direktion zustimmt, wäre das natürlich hervorragend. Aktuell werden z.B. Mullbinden (eigentlich ein Einmalartikel) gewaschen und immer wieder verwendet. Bei chronischen Wunden nicht unbedingt ein gutes Verfahren. Also sitze ich erst im Vorzimmer 20 Min., dann werde ich freundlich empfangen, doch schon bald läuft der nette Verwaltungsmensch weg, ich verstehe nichts, das Gesprochene ist schnell und undeutlich, und das Procedere ist natürlich auch für mich nicht durchsichtig. Wenn nur die Klimaanlage nicht ganz so kalt auf mich niederginge! Als ich mich nach einiger Zeit völlig durchgefroren zum weiteren Warten nach draußen begebe, kriegen sich die Sekretärinnen vor Lachen kaum noch ein. Der Deutschen ist es in der Hitze wohler! Kaum zu glauben.
M. Kouah kehrt schliesslich vom Generaldirektor zurück. Da ich draußen bin, kann ich ihm auch noch die Hand schütteln, wir waren uns im Mai begegnet, er erinnert sich. Mit seiner Erlaubnis darf M. Kouah einen Bestellschein ausfüllen. Diesen Schein tragen wir dann noch am Sozialdienstbüro vorbei, in dem er den Stempel „Cas social“, Sozialfall erhält. So ausgeschmückt wird er dem leitenden Apotheker überreicht, der sich auf die Suche nach den diversen Artikeln begibt.
Während ich warte passiert plötzlich etwas bei uns Undenkbares: Der Apotheker bekommt Besuch aus einer Nachbarstadt, und bevor über die Probleme der Versorgung mit Medikamenten und sonstigen medizinischen Artikeln gesprochen wird, gibt es erstmal eine Runde Bier, gut gekühlt aus dem Medikamentenkühlschrank. Ich lehne dankend ab, bei gut 30 Grad warte ich lieber auf die kühlere Abendstunde.
Fast 3 Stunden hat es gedauert, aber ich habe einen Karton in der Hand mit Verbandszeug und Desinfektionsmitteln. Umsonst. Im Wert von 25.- Euro.
Zurück bei den Frauen findet sich auf meine Anregung hin schnell eine Gruppe zusammen, die wenig später konzentriert an ihren Mandalas arbeitet, es kommen sogar weitere Interessierte hinzu. Es herrscht eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre. Einen Frauen sieht man an, dass sie noch nicht oft in ihrem Leben einen Stift gehalten haben, doch mit der Zeit geht auch ihnen die Bewegung flüssiger von der Hand.

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